Kleine Figuren - ganz groß

Andrea Miniatures – Chuckwagon – S4-S11


 Das Vorbild


Zum Vorbild zu diesem Modell braucht man eigentlich gar nicht viel zu sagen, das Internet ist voll davon! Offensichtlich wird in Nordamerika sehr viel in die Traditionspflege investiert. Na ja, allzu viel haben sie ja nicht davon, historisch betrachtet, aber das nur nebenbei. Ein paar Worte sollen aber doch fallen.

1866 kam der Rinderbaron Charles Goodnight auf die Idee einen Versorgungswagen der Armee so umzubauen, sodaß damit die Cowboys mit ihren großen Rinderherden auf dem Weg von Texas in den Norden versorgt werden konnten. Dazu zimmerte er einen großen mit Fächern und Schubladen unterteilten Holzkasten („Chuck Box“) welcher auf dem hinteren Teil des Wagens befestigt wurde. Verschlossen wurde dieser Kasten mit einer großen Klappe, welche geöffnet als Arbeitstisch diente. Dazu kam dann noch ein Holzkasten (genannt „Boot“), der unterhalb des Wagenkastens angebracht wurde. Der Wagen ist zwar eine einfache Konstruktion, aber er revolutionierte die Versorgung der Trecks. Im Chuckwagon wurde alles verstaut, was man so brauchte, Nahrungsmittel, Decken, Medikamente, Werkzeug, Brandeisen, Whiskey und Wasser, alles fand irgendwo Platz.

Der Begriff „Chuck“ (wörtlich: „chuck away“ – wegschmeissen) kommt aus England wo man im engeren Sinn zunächst billigere Teile, vielleicht auch Schlachtabfälle des Rindes, welches als Nahrungsmittel der einfachen Arbeiter diente, so bezeichnete. Später wurden alle guten Nahrungsmittel und ordentlich zubereitete Mahlzeiten wie Rindfleisch, Gemüse, Brot, aber auch Kaffee und Kuchen „Chuck“ genannt. Auf einer amerikanischen Ranch aßen die Arbeiter „Chuck“ im „Chuck House“.

Der Chuckwagon wurde ein wichtiger Bestandteil der Trecks und wenn auch der Trail Boss das Sagen hatte, so war es doch einzig der Koch der sich nicht in seine Angelegenheiten hineinreden ließ. Sie befolgenden seine Anweisungen, beispielsweise indem sie Feuerholz sammelten.

 

Es gab sogar eine „Chuck Wagon Etiquette“:

1. Du isst nicht bevor der Koch dazu ruft.

2. Wenn der Koch ruft, kommst Du so schnell Du kannst.

3. Erst Essen, dann Reden

4. Hungrige Cowboys warten nicht. Fülle Deinen Teller, dann Deinen

    Bauch, danach machst Du Platz für Nachzügler.

5. Wenn Du Deinen Kaffeebecher auffüllst und jemand „Man at the pot“

    ruft, sorge auch für die anderen Becher.

6. Reste auf dem Teller sind eine Beleidigung für den Koch.

7. Sattle und reite Dein Pferd nicht in der Nähe des Wagens.

    Reite immer in Windrichtung davon.

8. Findest Du Feuerholz, bring es mit zum Wagen.

9. Fremde sind am Wagen immer willkommen.



Der Bausatz


In einer geräumigen Faltschachtel, bedruckt mit vielen Bildern eines gebauten Models und gut gepolstert, wird der Bausatz geliefert. Ich persönlich mag diese „Schüttelboxen“ ja nicht, mir sind zweiteilige Schachteln lieber, in die man auch mal was zurückräumen kann. Hier hilft nur der Kauf eines Sortimentskästchens wie es sie im Baumarkt billig gibt. Alle Bauteile sind sehr sauber gegossen, wie man das von Andrea gewohnt ist. Man findet kaum Grat und Formversatz und schon gar keine Fischhäute. Der Wagen selbst entstand wohl auf der Grundlage des 2004 erschienen Andrea-Bausatzes „Apache“, natürlich ergänzt um die für den Chuckwagon typischen Teile. Insgesamt bekommt man viel Modellbauspaß für sein Geld. Und wo wir schon dabei sind. Es lohnt sich das Vergleichen: Die Preisspanne reicht von 230 bis 310 Euro! Was mir nicht so gut gefällt ist die etwas übertriebene Gravur der Holzteile. Es schaut aus, als ob der Wagen aus frisch gesägten Holz gebaut worden wäre, so zerfurcht ist das Holz, das hält den Vorbildfotos nicht stand. Ich habe die Bauteile mit einer in die Mini-Bohrmaschine eingespannten Stahlbürste etwas geglättet. Mir gefällt auch nicht die etwas ungewöhnliche Abwicklung des jungen Cowboys: die Arme sind an die jeweiligen Beine angegossen, müssen überkreuzt und in den Rumpf eingepasst werden. Eine erste Trockenmontage bestärkte meine Befürchtungen. Die Bauanleitung ist so grad noch brauchbar. Ich finde Zeichnungen besser. Wirklich sehr schön ist das Terrain aus Resin. Um das Diorama ordentlich zu präsentieren braucht man eine runde Holzbasis von mindestens 18cm Durchmesser. Zusammengefasst ist der Chuckwagon nicht das „Perfekte Dinner“, aber trotzdem eine sehr schöner Bausatz.



Mein Arbeitsplatz


Auf dem Bild ist mein Arbeitsplatz zu sehen, hier entstehen nicht nur meine Zinnfiguren, sondern auch Flugzeuge und Militärmodelle. Beachtenswert ist das kleine orangefarbene Blechdöschen am linken Bildrand. Normalerweise ist es gefüllt mit Bausatzteilen entweder aus einem Figurenbausatz oder aus einem Spritzgussrahmen herausgetrennt. Dazu kommt dann noch ein Messer, vorzugsweise die Martor Boy Nr. 72 und eine Nagelfeile. Normalerweise fahre ich zu meinem Arbeitsplatz mit der Berlin S-Bahn. Leider ist dieser ca. 2 Stunden Fahrzeit entfernt. Einfach. Ich nutze die Zeit in der Bahn mit dem Putzen der Teile. Mittlerweile haben sich meine Mitfahrer daran gewöhnt. Bei dem was man aber sonst so im Zug zu sehen bekommt dennoch nicht wirklich ungewöhnlich. Nur wenn ein Teil herunterfällt, dann dürfte dieses wirklich weg sein. Zum Glück ist mir das bisher noch nicht passiert. Die Teile sollten halt nicht zu klein sein.



Der Bau



wird forgesetzt!